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21. Februar 2018

Interview zum Thema Führung in der Digitalisierung

Führung in der Digitalisierung

Herr Doll, Sie beschäftigen sich seit fast 40 Jahren mit dem Thema Führung unter den unterschiedlichsten Gesichtspunkten. Sie waren Offizier der Bundeswehr und in der AMF-“NATO-Feuerwehr”. Als Vorstand, Führungskraft und Manager waren Sie in leitender Funktion in Konzernstrukturen, im Mittelstand und auch in Start-Up Unternehmen tätig. Seit 15 Jahren begleiten Sie als Berater und Coach Unternehmen und Ihre Führungskräfte, meist in kulturkritischen Situationen. Darüber hinaus waren Sie Initiator und Mitbegründer des Ethikverbands der deutschen Wirtschaft. Sie sind Informatiker mit Schwerpunkten in KI und Komplexitätsanalysen und haben eine philosophische Führungsbildung bei Jesuitenpater Rupert Lay genossen. Mit diesem Hintergrund sind Sie für uns der ideale Gesprächspartner zum Thema Führung in digitalen Zeitalter.

Von Ihnen ist der Satz “Führung ist Führung”. Was wollen Sie damit konkret aussagen?

Zunächst einmal wollte ich mit dieser Aussage klar stellen, dass es einen Unterschied zwischen Führung und Management gibt. In vielen Organisationen werden diese Begriffe synonym verwendet. Dabei gibt es in meinem Verständnis wesentliche Unterschiede. So bewegen sich Manager innerhalb eines bestehenden Systems, mit den darin befindlichen Paradigmen und versucht die Menschen und die “Dinge” mittels Methoden, Techniken und Kontrolle in Bewegung zu setzen. Für Manager gibt es klare Ursache-Wirkung-Zusammenhänge, es ist alles planbar und logisch. Störungen oder Widerstände sind für sie Anzeichen des Scheiterns oder von schlechter Planung. Das soziale Verhalten der Organisation ist nur Nebensache, wichtig nur, dass es funktioniert. Manager sind Macher. Im Gegensatz dazu sind Führungspersönlichkeiten eher Diener. Sie begründen und entwickeln Organisationen als Systeme. Sie hinterfragen bestehende Paradigmen und passen diese an veränderte Rahmenbedingungen an. Methoden und Planungen sind maximal unterstützende Elemente, die eine ständige Beobachtung und Anpassung an sich verändernde Rahmenbedingungen nicht verhindern. Störungen und Widerstände sind für Führungspersönlichkeiten ein unvermeidbarer Bestandteil der Normalität. Sie fördern ihre Mitarbeiter und regen sie dazu an Spitzenleistungen zu erbringen und sorgen dafür, dass die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Sie schaffen eine Kultur des Vertrauens und nicht der Angst. Führung ist die konstruktive Auseinandersetzung mit den komplexen Wechselwirkungen zwischen In Unternehmen bedeutet das, die Wechselwirkungen zwischen den Elementen Chef – Mitarbeiter – Aufgabe – Marktsituation – Unternehmenssituation.

Was bedeutet dies unter dem Gesichtspunkt der Digitalisierung?

Digitalisierung ist mehr als nur die digitale Abbildung von bestehenden Abläufen und Prozessen. Durch die neuen technologischen Möglichkeiten und dem steigenden Grad der Vernetzung entstehen enorme Innovationssprünge in sehr kurzer Zeit. Das was gestern unvorstellbar war ist heute bereits Realität, wie 3D-Druck, autonom fahrende Autos, Realtime Sprachübersetzung durch Apps, etc. Dadurch entstehen neue Bedarfe, neue Geschäftsmodelle, neue Prozesse und das in sehr kurzer Zeit. Unternehmen müssen sich diesen Herausforderungen stellen, egal welche Branche, egal welche Größe. Führungskräfte müssen sich diesen Entwicklungen stellen. Sie müssen das System “Unternehmen” neu ausrichten. Das gelingt aber nur, wenn sie selbst bereit sind sich und ihr eigenes Rollenverständnis auf diese neuen Bedingungen auszurichten. Damit ist der durch die Digitalisierung bedingte kulturelle Wandel die heute wichtigste Führungsaufgabe.

Sind die Führungskräfte auf diese Aufgabenstellung hinreichend vorbereitet?

Aus meinem Erleben heraus kann ich nur sagen, dass, von Ausnahmen einmal abgesehen, die Mehrzahl der Führungskräfte noch an ihrem alten Rollenverständnis festhalten. Sie waren ja auch jahrzehntelang damit erfolgreich, zumindest hat ihr Umfeld ihnen eine positive Bestärkung für ihr Führungsverhalten gegeben. Dieses jetzt allein nur durch die Einsicht, dass sich etwas ändern muss auch zu verändern, gelingt nur den wenigsten. Daher braucht es genau hier gezielte Trainings, die helfen, ein neues Rollenverhalten von Führung zu bekommen. Ich betone ganz bewusst Rollenverhalten, also eine im Tun erkennbare Veränderung. Denn ein neues Rollenverständnis, eine im darüber sprechen erkennbare Veränderung, reicht nicht aus. 

Sicherlich suchen viele Führungskräfte und Personalentwickler nach geeigneten Möglichkeiten wie sie das Führungsverhalten an ein neues Führungsverständnis anpassen können. Was empfehlen Sie ihnen?

Eine solche Veränderung ist nicht im Sinne einer traditionellen Vermittlung von Theorie erreichbar. Die Führungskräfte müssen sich die notwendigen Kompetenzen aneignen, soll heißen die Inhalte müssen verinnerlicht werden. Das bedeutet, dass die neuen Führungsqualitäten im Wesentlichen durch das Lernen im Handeln zu vermitteln sind. Sie werden auch nicht zum Spitzenkoch, wenn Sie sich Vorträge eines Spitzenkoches anhören oder seine Rezepte nachkochen. Sie müssen es selbst tun und ausprobieren. Über gezieltes Feedback bekommen Sie Rückmeldungen an welcher Stelle Sie was verbessern können. Genauso, wie beim Kochen, wo Sie ihre ersten Versuche für ein neues Rezept nicht in einem gut besuchten Restaurant ausprobieren, sondern in einem Testumfeld, sollten Sie es mit der Führungsentwicklung auch tun. Aus meiner Erfahrung heraus eignen sich daher als Testfeld für Führungskräfte Trainingsszenarien mit Pferden als zu führende Partner ideal. Wir von atunis ziehen solche Trainings den klassischen Rollenspielen in Workshops vor, in denen der Rollenpartner, auf Grund der Trainingssituation, nicht wirklich authentisch agieren kann. Das ist beim Pferd als Trainingspartner anders. Dieses ist immer nur im hier und jetzt und zeigt auf, ob sein Führer präsent, klar und authentisch ist. Von einem direkten Üben mit Coachingbegleitung im Unternehmensalltag rate ich auch ab. Dies kann ein zusätzlicher Schritt in der Verfestigung des Erlernten sein, aber als erstes Übungsszenario wäre mir die Gefahr von “Kollateralschäden” zu groß.

Ein weiterer Punkt, warum wir von atunis mit Bukepha auch im Rahmen von digitalen Transformationsprojekten zusammenarbeiten liegt in der speziellen Herausforderung, vor denen Führungskräfte stehen um ihr Rollenverständnis auf die Anforderung der Digitalisierung anzupassen. Hier steht die Stärkung der personalen und sozialen Kompetenz auch als Legitimierung gegenüber den zu Führenden im Fokus. Diese wird die Legitimation über Fachlichkeit und Hierarchie ersetzen. Pferde interessiert Fachlichkeit und Unternehmenshierarchie nicht. Sie folgen nur der von ihnen legitimierten Persönlichkeit. Genau das, was wir erreichen wollen.

Führungsentwicklung mit Pferden wird auch kritisch gesehen. Haben Sie keine Vorbehalte?

Ich denke, es ist wie in vielen Lebensbereichen. Es gibt gute und schlechte Anbieter. Man darf die Aussagen nicht einfach pauschalieren. Nicht alle Anbieter sind gut, aber auch nicht alle Anbieter sind schlecht. Sie müssen darauf achten, was für konkrete Erwartungen sie haben. Unser Augenmerk liegt auf professionellem, systemischen Coaching mit viel Bezug zum Führungsalltag in Unternehmen, weniger auf Abenteuer orientierten Events. Mit diesem Anspruch sind wir und unsere Kunden bei Bukepha an der richtigen Adresse. Daher arbeiten wir seit Jahren erfolgreich zusammen.

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